Studie: Das macht eine attraktive Tageszeitung aus

Eine Lokal- beziehungsweise Regionalzeitung ist für 25- bis 35-Jährige dann attraktiv, wenn sie vorrangig über das örtliche und regionale Geschehen berichtet, gründlich recherchiert ist und handwerklich seriös auftritt. Inhaltlich wünschen sich Jungleser einen lösungsorientierten Journalismus. Die tägliche Papierversion wird nicht als unzeitgemäß bewertet, auch wenn sie gegenüber Digitalangeboten funktional in einigen Aspekten im Nachteil ist. Das sind Ergebnisse einer Studie der Hochschule Hannover.


Junge Erwachsene wünschen sich Konstruktiven Journalismus. Und: Print ist bei jungen Zeitungslesern beliebt.
Junge Erwachsene wünschen sich Konstruktiven Journalismus. Und: Print ist bei jungen Zeitungslesern beliebt.

Das wollen junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren

  • Lokale Schwerpunkte
  • Gründliche Recherche
  • Seriosität


Unter Leitung von Prof. Stefan Heijnk vom Studiengang Journalistik führten Studierende Fokusgruppengespräche mit Tageszeitungslesern und -leserinnen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren durch. Leitfrage war: „Was macht  eine attraktive Tageszeitung aus?“ Die Studie entstand in Kooperation mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, der Braunschweiger Zeitung und der jule : Initiative junge Leser.


Zusammenfassung

  • Es gibt eine eindeutige Funktionszuweisung an die Mediengattung „Lokal-/Regionalzeitung“: Für Jungleserinnen und -leser ist sie die Anlaufstelle, wenn es um lokale und regionale Themen geht. Artikel über Belanglosigkeiten aus Vereinen werden abgelehnt.
  • Überregionale Themen braucht es aus Junglesersicht in der Regionalzeitung eher nicht. Es wird darauf verwiesen, dass im Fernsehen und im Radio über diese Art Themen schneller, im Web zusätzlich auch tiefgehender berichtet wird.
  • Attraktiv ist orientierende Berichterstattung. Aus Sicht junger Leser gibt es keinen Mangel an Information, sondern einen Mangel an Einordnung und Orientierung. Relevant ist, was die persönliche Nahwelt berührt. Gründlich recherchierte Fakten sollen durch kompetente Meinungsbeiträge flankiert werden. Es wird begrüßt, wenn den Lesermeinungen mehr Platz im Blatt eingeräumt wird.
  • Attraktiv sind Digitalangebote UND Papierversion. Junge Leser sind Nutzenoptimierer. Es gibt reine Papierleser, reine Onlineleser und Print-Online-Kombinierer. Ein Morgenritual „Zeitunglesen“, das in der Elterngeneration nach wie vor existiert, gibt es in der Jungleserschaft offenbar nur noch vereinzelt. Verbreitet ist eher ein Morgenritual „Facebook-Newsfeed-Update“ – mit anschließendem Direktkontakt (auch) zu digitalen Zeitungsprodukten.
  • Attraktiv ist fundierte, gründliche Recherche. Die Regionalzeitung hat als Nachrichtenquelle für Jungleserinnen und -leser einen herausgehobenen Status. Information aus der Zeitung gilt als glaubwürdiger. Inhaltlich wird zudem gewünscht, dass nicht nur Probleme, sondern auch geeignete Lösungen beschrieben werden – Stichwort: Konstruktiver Journalismus.
  • Attraktiv ist inhaltliche Seriosität – auch online. Boulevardthemen als Aufmacher auf der Zeitungs-Homepage werden kritisiert. Ganz explizit abgelehnt wird Clickbaiting nach dem Strickmuster „Ein Mann ging in sein Schlafzimmer und dann sah er das…“.

Attraktiv ist ansprechende Gestaltung. Visuell müssen Zeitungsprodukte, gedruckt wie
digital, ansprechend und nutzerfreundlich arrangiert sein. Der Foto-Anteil darf nicht zulasten
des Text-Anteils gehen.

Erforderlich ist professionelles Touchpoint Management. Die Zahl der unterschiedlichen
Informationsangebote ist bei manchen Zeitungen inzwischen so umfangreich, dass einzelne
Services den Nutzern offenbar schlicht unbekannt sind. Ob Desktopsite, Mobilsite, Facebook-
Präsenz, Newsletter oder Whatsapp-Newsservice – das Angebot wird nicht angemessen
kommuniziert. Wichtig ist professionelles Touchpoint-Management: Die diversen
Ausspielkanäle müssen wechselseitig aufeinander verweisen und dabei tageszeitlich jeweils
dann aktualisiert werden, wenn es sich sinnvoll in den Tagesablauf der Nutzerinnen und
Nutzer einfügt (Dayparting).


Zur Studie

Leitfrage der Studie war: „Was ist heute eine attraktive Tageszeitung?“. In den Fokusgruppen wurden
Gespräche mit 34 Zeitungsleserinnen und -lesern geführt, 28 von ihnen zwischen 25 und 35 Jahren
sowie sechs Personen älter als 35 Jahre. Insgesamt gab es vier Fokusgruppen in Osnabrück, Salzgitter
und Hannover, zwei davon soziodemographisch kontrolliert zusammengesetzt. Fokusgruppenstudien
liefern aufgrund der relativ kleinen Stichprobenbasis keine repräsentativen Ergebnisse. Aus ihnen
lassen sich jedoch verallgemeinerbare Trends und Muster ableiten.

Sie finden eine PDF der kompletten Studie auf der Homepage der Hochschule Hannover. Zudem wird sie ausführlich beim jule-Frühjahrsworkshop am 10./11. Mai 2017 in Hannover vorgestellt.

Ansprechpartner:

Prof. Stefan Heijnk M.A.

Hochschule Hannover - University of Applied Sciences and Arts.

Fakultät III – Studiengang Journalistik.

Tel.: 0511 – 9296 2610

stefan.heijnk@hs-hannover.de


Über die jule : Initiative junge Leser

jule : Initiative junge Leser GmbH organisiert den Austausch von Zeitungsverlagen rund um das Zukunftsthema junge Zielgruppen mit aktuellen Branchennews, Best-Practice-Workshops und individueller Beratung. Das Wissensnetzwerk umfasst 60 Mitgliedsverlage und 540 Netzwerker aus Redaktion, Vertrieb, Marketing und Werbemarkt. jule : Initiative junge Leser wurde 2010 gemeinsam vom Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und TBM Marketing gegründet.

Ansprechpartner:

Thorsten Merkle

jule : Initiative junge Leser

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