Leser-Blatt-Bindungs-Preise gehen nach Hameln, Braunschweig, Hersbruck, Trier und Plettenberg

Foto: Jennifer Chamberlain / atkinsdigital.com
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Heute wurden in Berlin die Ferag-Leser-Blatt-Bindungs-Preise 2016 überreicht. Preisträger sind die „Deister- und Weserzeitung“, die „Braunschweiger Zeitung“, die „Hersbrucker Zeitung“, der Trierische Volksfreund“ und das „Süderländer Tageblatt“.

 


Deister- und Weserzeitung / Der Wald

Foto: Jennifer Chamberlain / atkinsdigital.com
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Jeder kennt ihn und die meisten haben ihn schon besucht: Den Wald. Sagenumwoben ist er, in Märchen wurde er zum Ort von Geheimnissen und zum Tummelplatz seltsamer Figuren, als Kulisse dient er in Heimatfilmen, aber auch als Forschungsobjekt kennen wir ihn; schon mehrfach wurde er bedroht; in den 80er Jahren prognostizierten nicht wenige ihm mit dem Waldsterben den nahen Tod.

 

Doch der Wald lebt. Die Deister- und Weserzeitung hat es unter Beweis gestellt und ihn zum Objekt einer Serie gemacht. Einen Monat lang widmete man sich in der Redaktion in Hameln Geschichten über Bäume, Pflanzen, Tiere und Menschen, die im und mit dem Wald arbeiten und leben, genauso wie aktuellen Problemen und Risiken des Waldes in unserer Zeit.

 

Die Informationen rund um den Wald wurden für den Leser phantasievoll und didaktisch abwechslungsreich aufbereitet. Die Multimedia-Seite zum Thema besticht durch anschaulich dargestelltes Wissen, eine überzeugende, liebevolle Hinwendung zum Thema und viel Atmosphäre. Umrahmt wird das Projekt von Veranstaltungen, die den Wald rund um Hameln neu erleben lassen.

 

Das selbstgesteckte Ziel, das die Redaktion sich bei der Ankündigung der Serie stellte, nämlich der vielfältigen und widersprüchlichen Bedeutung des Waldes auf die Spur zu kommen und erkennbar werden zu lassen, dass der Wald mehr ist als die Summe seiner Bäume, wurde erreicht.

 

Journalistisch gelang es der Deister- und Weserzeitung mit dieser Serie, dem Leser ein besonders ausführliches, gut recherchiertes Informationsangebot zu machen, das verbunden mit einem modernen Heimatverständnis und einem starken Ausdruck regionaler Verbundenheit Lesernähe herstellt. Diese journalistische Entschleunigung ließe sich auf viele regionale Themen übertragen.

 

Ein klares Lob der Jury für dieses regionale Meisterstück mit Vorbildcharakter.

 


Braunschweiger Zeitung / Alarm 38 - das Aufreger-Portal

Foto: Jennifer Chamberlain / atkinsdigital.com
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An einem mangelt es heute ganz sicher nicht: an Aufregung. Nahezu jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf gejagt oder irgendein Shitstorm vom Zaun gebrochen. Dass man Aufregung auch in geordnete Bahnen lenken kann und dabei qualitativ bessere Ergebnisse möglich sind als durch die Initiierung eines Fäkalsturms, macht die Braunschweiger Zeitung eindrucksvoll deutlich. Mit ihrem Portal „Alarm 38“, welches sowohl traditionell als auch  mit der gleichnamigen App für iPhones und Android-Smartphones funktioniert, hat sie für ihre Leser eine Möglichkeit geschaffen, Missstände mit Hilfe der Redaktion öffentlich zu machen und für Abhilfe zu sorgen. Dabei geht es, wie die Verantwortlichen sagen, um Lösungen für Probleme, nicht um öffentliches Meckern und Anprangern.

 

Zum Beispiel achtlos entsorgter Sperrmüll, Stolperfallen auf dem Bürgersteig, gefährliche Straßenecken auf dem Schulweg: Das alles sind „Aufreger“, die die Leser der Redaktion melden können. Sobald eine Meldung eingegangen ist, kümmert sich die Redaktion um das Anliegen. Sie meldet das Ärgernis bei den zuständigen Stellen und hakt im Rathaus oder bei der zuständigen Behörde nach. Ziel ist es, den Missstand zu beseitigen. Im Zusammenspiel mit Lokalredaktionen und Kommunen soll so mehr Bürgernähe und Transparenz geschaffen werden, erklärt die Redaktion.

 

Nebenbei wird anhand der Themen ganz im Sinne einer Bürgerzeitung das reale Leben in die Redaktionen geholt und die Leser-Blatt-Bindung durch den Kontakt zu den Bürgern gefördert. Die journalistische Wächterfunktion bekommt hier noch einmal eine neue Bedeutung, wenn einerseits der Bürger/Leser durch seine Tageszeitungsredaktion Einfluss auf die Verantwortlichen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in seiner Stadt nehmen kann bzw. sich von seiner Tageszeitung in seinem Anliegen unterstützt sieht und andererseits die Journalisten ihre Kontrollfunktion auch aktiv an der Seite des Bürgers/Lesers wahrnehmen. „Alarm 38“ könnte damit auch ein Ansatz sein, zunehmender Medienverdrossenheit zu begegnen.

 

Die Jury lobt neben Idee und Anliegen die digitale Umsetzung.

 


Hersbrucker Zeitung / Zeitung auf Fränkisch

Foto: Jennifer Chamberlain / atkinsdigital.com
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Stellen Sie sich bitte vor, Sie schlagen morgens Ihre regionale Tageszeitung auf und verstehen - nur Bahnhof. Dort, wo Sie sonst Nachrichten und Artikel lesen oder schnell überfliegen, um sich einen ersten Eindruck vom Geschehen des Tages zu machen, versuchen Sie nun mühsam, seltsame Worte zu entziffern und fragen sich: Was soll das?

 

Nun, den ein oder anderen skeptischen Leser der Hersbrucker Zeitung hat es wohl anfangs gegeben, nachdem man sich dort entschieden hatte, am Tag der Franken eine komplette Ausgabe auf Fränkisch erscheinen zu lassen. Doch schließlich waren alle begeistert und überzeugt von der im wahrsten Sinne des Wortes regionalen Tageszeitung. Selbst die Anzeigenabteilung bzw. deren Kunden hatten begeistert mitgemacht. Und so waren an diesem Tag jene Leser gut dran, die der Mundart noch mächtig sind.

 

Zugegeben: Eine sehr ungewöhnliche, aber auch gleichzeitig mutige und humorvolle Aktion, um deutlich zu machen, dass in der Region zum einen noch viele Menschen fränkisch sprechen, aber gleichwohl der beheimatete Dialekt, der Franken seine sprachliche Färbung verleiht, längst - wie anderswo auch - in Vergessenheit zu geraten droht.

 

Auch überregional fand die Idee und ihre Umsetzung viel Beachtung. Und die Leser wollten mehr. Eine Folge der Aktion ist, dass unter dem Motto „mehr Fränkisch“ die Hersbrucker Zeitung nun in regelmäßigen Abständen eine Frankenseite herausgibt und so zum Erhalt des Dialekts beiträgt.

 

Kann man Heimatverbundenheit und regionale Besonderheit eindrucksvoller deutlich machen? Wohl kaum. Diese Meinung vertritt auch die Jury und ehrt die Hersbrucker Zeitung mit einem Preis.

 


Trierischer Volksfreund / Respekt

Foto: Jennifer Chamberlain / atkinsdigital.com
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Sie sind die Helden des Alltags, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft unersetzlich sind. Aber wie die Kölner Heinzelmännchen arbeiten sie oft im Stillen und Verborgenen. Sie einmal ins rechte Licht zu setzen und ihre Leistungen zu würdigen, ist die Idee der Aktion „Respekt“ des Trierischen Volksfreunds.

 

Kommunalpolitik, Gesundheit, Kultur und Sport – ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund würde keiner der Bereiche funktionieren. Der Volksfreund ruft seine Leser einmal im Monat dazu auf, Vorschläge für den Ehrenamtspreis zu machen. Aus den Einsendungen nominiert eine Jury die Vorschläge für die „Ehrenamtler des Monats“, die ausführlich in der Zeitung porträtiert werden. Die Leser wählen dann per Telefon und Internet den Preisträger. Alle Monatssieger werden auf der jährlichen Respekt-Gala unter Anwesenheit der Ministerpräsidentin für ihr Engagement geehrt und noch einmal in der Zeitung und Online vorgestellt. Die Leser wählen dann in zwei Kategorien den Jahressieger, die wertvolle Preise erhalten.

 

Doch mehr noch zählt die ausführliche und kontinuierliche Berichterstattung der Zeitung: Zum einen, weil die „stillen Helden“ damit einmal sichtbar werden und damit Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Zum anderen, weil ihr Wirken für andere buchstäblich beispielgebend erscheint und damit zur Nachahmung imitiert.

 

So leistet die Zeitung selbst einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft, wie die Jury einhellig befand.

 


Süderländer Tageblatt / Wir sind bunt

Foto: Jennifer Chamberlain / atkinsdigital.com
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Wenn man das Städtchen Plettenberg mit seinen 26.000 Einwohnern und das Süderländer Tageblatt mit seiner 6000er Auflage außerhalb des Sauerlands nicht kennt, ist das nicht weiter verwunderlich. Warum sich aber fast das gesamte NRW-Kabinett mit Ministerpräsidentin Kraft und die halbe Bundesregierung mit Schäuble, Steinmeier und Gabriel an der Spitze mit einer ST-Zeitungsseite fotografieren lassen, verwundert schon dann schon mehr.

 

Die Foto-Aktion ist Bestandteil der Kampagne „Wir sind Plettenberg – wir sind bunt“, bei der das Tageblatt die treibende Kraft in der Stadt ist. Um ein Zeichen gegen rechten Hass und für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge zu setzen, brachte sich die Zeitung mit aller Kraft in den jährlichen Familien- und Generationentag ein: unter anderem mit einer 48-seitigen Sonderveröffentlichung, der größten in der Verlagsgeschichte, in der alle 82 multikulturellen Gruppen porträtiert wurden. Über eine eigens gegründete facebook-Gruppe „Wir sind bunt-Plettenberg“, die schnell mehrere hundert Fans hatte, tauschen sich die Bürger aus und nutzen die Gruppe, um mit der Zeitung und anderen Helfern zu kommunizieren. Für die Fotoaktion druckte das ST in der Zeitung ein entsprechendes Plakat „Willkommen hier bei uns“ ab, mit dem sich hunderte Plettenberger und die angesprochene bundes- und landesweite Prominenz ablichten ließen.

 

Und als ob das alles noch nicht den Rahmen einer normalen Lokalzeitung sprengen würde, helfen Redakteure und Angestellte des Verlags persönlich bei Flüchtlingstransporten und Wohnungsumzügen mit. Mehr „zupackenden“ Journalismus kann man nicht machen, befand die Jury.

 


Der Ferag-Leser-Blatt-Bindungspreis ist eine Initiative des Verbandes Deutscher Lokalzeitungen e.V. mit Unterstützung der WRH Global Deutschland GmbH (ehemals Ferag GmbH). Die Jury:

 

  • Thomas Bertz (Geschäftsführer TBM Marketing GmbH)
  • Thomas Elsing (ehem. Geschäftsführer u. a. Niederelbe-Zeitung)
  • Stefan M. Kob (Chefredakteur Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger)
  • Tim Kuhrau (WHR Global Deutschland GmbH, ehem. Ferag GmbH)
  • Doortje Sabin (Verlagsleiterin Jeversches Wochenblatt)