Julia Haase: „Schon heute die News von morgen lesen – ist das nicht was?“

E-Paper-Vermarktung: Im Zuge eines Praktikums bei TBM hat die damalige Studentin Julia Haase im August 2013 u. a. den Internetauftritt von 29 Zeitungen zum Thema E-Paper-Vermarktung unter die Lupe genommen. Folgende Kriterien waren hilfreich, um eine Evaluation vorzunehmen:

  1. Auffindbarkeit des E-Paper Buttons (nicht vorhanden/ dauert/ nach kurzer Zeit/ sofort)
  2. Anordnung des E-Paper Buttons (nicht vorhanden/ unten/ Seitenrand/ oben)
  3. Optik des Buttons (nicht vorhanden/ schlicht/ untermalt/ sticht sofort hervor)
  4. Vermarktung/ weitere Hinweise auf E-Paper (gar nicht/ teilweise/ viel)
  5. Testangebot für das E-Paper (ja/ nein)
  6. Zugriff auf das E-Paper (keine Info/ am Morgen des Print-Verkaufs/ am Abend vor Print-Verkauf)
  7. Vergünstigungen für bspw. Studenten (ja/ nein)
  8. Einzelverkauf des E-Papers an Nicht-Abonnenten (ja/ nein).

Zusammenfassung und allgemeine Schlussfolgerung

Die E-Paper Vermarktung auf den einzelnen Homepages der Zeitungen/ Verlage ist ausbaufähig. Überwiegend ist der E-Paper Button klein, blass und nur schwerlich zu finden. Doch dieser sollte eigentlich spätestens auf den zweiten Blick ins Auge fallen. Gut ist es auch, wenn hier und da in unterschiedlicher Form (Farben, Formen etc.) auf das „Online-lesen-wie-gedruckt“ Angebot aufmerksam gemacht wird.

 

Teilweise werden bereits Studentenrabatte angeboten, doch noch längst nicht alle haben erkannt, dass die Studierendenschaft eine Geldquelle bedeuten kann – wenn denn mit Sonderkonditionen geworben wird. Aus eigener Erfahrung: Wir sind immer knapp bei Kasse oder messen anderen Dingen einen höheren Stellenwert bei (wenn denn die Online-Zeitung unserer Ansicht nach zu teuer ist). Auch in puncto E-Paper sollte individuell auf potentielle Leser/Kunden eingegangen werden.

 

Gut ist es auch, wenn ein gratis Testabonnement angeboten wird. Nicht alle tun dies, aber die Norm liegt bei zwei Wochen, die Dresdner Neueste Nachrichten verspricht sogar vier kostenfreie Wochen.

 

Was zusätzlich Geld in die Kasse bringt und Leser anlockt, das ist der Einzelverkauf der E-Paper. Viele möchten sich nicht durch ein abgeschlossenes Abonnement binden lassen, aber der Einzelerwerb kann unter Umständen Interesse wecken.

 

Was darüber hinaus Anreize gibt, ein E-Paper Abo abzuschließen, das ist das Freischalten des Online-Papers bereits am Abend bevor diese Version – am nächsten Tag wohlgemerkt – gedruckt in die Haushalte geliefert oder zum Verkauf angeboten wird.

 

Das E-Paper ist eine gute Sache, denn viele Menschen möchten auch im digitalen Zeitalter zumindest rein optisch betrachtet das „Print-Erlebnis“ haben. Wem darüber hinaus sogar die Möglichkeit gegeben wird, sich nicht fest zu binden, genau der wird zurückkommen und die Möglichkeit des Einzelerwerbs nutzen.

 

Zwar habe ich die Zeitung Der Tagesspiegel nicht weiter in Hinblick auf das E-Paper untersucht, dennoch ist diese ein Paradebeispiel für die „Arbeit“ mit einem solch digitalen Print-gleichen Paper. Warum? Eine Frühausgabe der am nächsten Tage erhältlichen gedruckten Zeitung gibt es bereits am Abend vorher, nämlich ab 19:30 Uhr, als Pdf-Datei und somit auch zum Downloaden. Wer also darauf gespannt ist, was in Berlin, Deutschland und darüber hinaus passiert und das noch vor „allen anderen“, der kann sich schon Stunden vorher auf den neuesten Stand bringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person auch einen Blick in die ab 2 Uhr morgens zugängliche, aktualisierte Hauptausgabe wirft, ist groß, so möchte man doch wissen, was unter Umständen noch verändert, bzw. hinzugefügt wurde. Im Grunde genommen macht also die Frühausgabe die ganze Sache spannender und lockt mehr Leser an. Und mehr Aufwand? Nein, denn perfekt muss es ja am frühen Abend noch nicht sein, das E-Paper. Ein Knopfdruck und das Pdf-Format ist erstellt. Hochladen – die Leser freuen sich. Und damit das E-Paper auch möglichst mit allen zur Verfügung stehenden technischen Geräten einwandfrei gelesen werden kann, gibt es beim Tagesspiegel eine angepasste Version des Online-Papers für E-Reader und Kindle-E-Reader ab 5 Uhr morgens. Es muss nur an alle(s) gedacht werden.

 

Eine wirklich gute Idee, die es wert ist, einmal drüber nachgedacht zu werden. Und dann wieder die Position des Kunden eingenommen: Was sind die Bedürfnisse? Was macht Zeitung, News und in diesem Fall besonders ein E-Paper attraktiv? – die Tatsache, dass dieses nicht an Transportwege gebunden ist. Warum nicht also schon eine früh-abendliche Version zum Lesen bereitstellen, damit sich die ersten Inhalte schon durchgelesen werden können? Den Leser wird es nicht stören. Und falls doch: Ab 2 Uhr morgens gibt es ja dann auch das komplett aktuelle E-Paper zum „Schmökern“. Aber schon heute die News von morgen lesen – ist das nicht was?


Julia Haase (2013)


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